Ich konnte mir About Fishing anschauen und selbst anspielen und die meisten denken sich sicherlich: Fischen?? Wie langweilig. Doch in About Fishing geht es definitiv nicht nur ums Fischen, dahinter verbirgt sich ein sehr düsterer und mysteriöser Ausflug zwischen zwei Ebenen. Publisher Playstack bezeichnet den Titel selbst nicht als Horrorspiel, sondern lieber als Murder-Mystery-Game über das Angeln, und genau diese ungewöhnliche Mischung machte mich neugierig auf einen genaueren Blick.
Das geht hier vor sich??
In About Fishing schlüpft man in die Rolle einer jungen Frau, die in die Fußstapfen ihres Großvaters tritt und dessen einst geheimnisvolle Angeltechniken erlernt. Was zunächst wie ein entspanntes, beschauliches Angelspiel wirkt, entpuppt sich schnell als deutlich vielschichtiger. Der Großvater sitzt inzwischen im Gefängnis, während ein nahegelegener, langsam absackender Friedhof plötzlich Skelette hochholt, die offenbar direkt mit seiner Vergangenheit in Verbindung stehen. Optisch bedient sich das Spiel bewusst bei der Body-Grafik früher SEGA Dreamcast Klassiker wie Shenmue oder SEGA Bass Fishing, während sich erzählerisch unverkennbare Twin-Peaks-Anleihen erkennen lassen, samt kleiner Stadt, dörflicher Beschaulichkeit und einem Mordfall, der tief unter der ruhigen Oberfläche schlummert.
In der spielbaren Demo steuerte ich die Hauptfigur durch ein gigantisches Aquarium. Hinter den Gläsern waren Meerjungfrauen. Und inmitten der Räumlichkeiten fand ein scheinbar hochrangiger Empfang statt. Zahlreiche schick gekleidete Leute tummelten sich dort, mit Sektgläsern in der Hand. In Kombination mit dem Art Style, wird einem allmählich bewusst, was für eine bizarre Veranstaltung das ist. Aber das soll auch so sein. About Fishing ist bizarr. Teilweise auf eine sehr ernste, manchmal auf eine sehr humorvolle Art. Es soll aber verdeutlichen, dass hier zwei spielerische Konzepte aufeinander treffen: Das Angeln und das Verfolgen der Geschichte. Während Ersteres fast schon geerdet wirkt, ist insbesondere der narrative Strang ein (positiver) Fiebertraum, weil die Dialoge so großartig geschrieben sind und die ganze Ästhetik so einzigartig wirkt.
Ich weiß nicht wieso, aber die Mischung funktioniert!
Nicht minder kurios war eine kleine erzählerische Begegnung während meiner Anspielzeit, bei der mir niemand Geringeres als Clair Obscure-Star Ben Starr verkörperte, halb entblößte Meerjungfrau über den Weg schwamm. Und normalerweise würde man sowas als albern abtun, doch About Fishing schafft es irgendwie, dass es hier zwar super humorvoll rüberkommt, aber es dennoch im Kontext seiner ernsten Geschichte nicht überzogen wirkt. Und so ist der narrative Teil für mich jetzt schon eines der spannendsten Dinge, die ich seit langer Zeit gesehen habe. Aber auch das Fischen machte mir überraschend viel Laune. Das Handling verlief (meist) rund. Ein bisschen Finetuning muss noch her, aber da bin ich sehr zuversichtlich.
Ein wenig musste ich mich auch in die Steuerung einarbeiten und wie ich die Angel ideal auswerfe. Dabei spielt es sich nicht wie eine Angel-Simulation, sondern recht zugänglich und arcadeig. Gefangene Fische lassen sich zudem gegen Ausrüstung und neues Gerät eintauschen, während jeder Fang gleichzeitig ein kleines Puzzleteil der größeren, mysteriösen Geschichte rund um den Großvater und das versunkene Geheimnis unter dem Friedhof offenbaren soll. Aber: Man kann frei bestimmen, wie lange man angelt. Will ich nur die ein, zwei relevanten Fische in dem Moment angeln, um dann mit der Story weiterzumachen? Oder angel ich jetzt 3 Stunden am Stück entspannt vor mich hin? Ich habe hier völlige Freiheit.
Die Kombination aus liebevoll unrundem Retro-Look, überraschend tiefgründigem, physikbasiertem Angeln und einer bewusst unheimlichen, aber nie plump auf Schockeffekte setzenden Erzählung fühlt sich erfrischend eigenständig an. Selten hat mich ein vermeintlich simples Angelspiel derart schnell in seinen Bann gezogen, gerade weil es sich traut, unter der entspannten Oberfläche so viel mehr zu verstecken. Ein konkretes Releasedatum für 2026 steht zwar noch aus, wer aber jetzt schon selbst reinschnuppern möchte, findet auf Steam bereits eine kostenlose Demoversion zum Herunterladen.
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